Berliner Linke plädieren für "Aufstehen"

In einer Erklärung sprechen sich zahlreiche  Berliner Linke für die Unterstützung der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" aus. 

Neben zahlreichen unabhängigen Linken aus Berlin-Brandenburg beteiligen sich also auch organisierte Mitglieder und lokale Funktionsträger der Berliner Linken an der Sammlungsbewegung. 

Aufruf

KEIN WIDERSPRUCH, SONDERN GEGENSEITIGE VERSTÄRKUNG

Zahlreiche Mitglieder der Berliner LINKEN haben sich bei „Aufstehen“ registriert und freuen sich über die gelungene Gründung am 4. September. In vielen Gesprächen an der Basis nehmen wir reges Interesse und Hoffnung wahr, die sich mit dem Start der Sammlungsbewegung verbindet.

Viele Mitglieder und auch wir verstehen „Aufstehen“ als Rückenwind für unsere politischen Kernanliegen. Es ist eine hervorragende Möglichkeit, in einer neuen Form noch mehr Menschen dafür zu mobilisieren. 77 Prozent der LINKE-Anhänger*innen begrüßen die Sammlungsbewegung „Aufstehen“, 90 Prozent von ihnen begrüßen grundsätzlich eine linke Bewegung, die über DIE LINKE hinausgeht und Positionen und Forderungen der existierenden Parteien bündelt (Emnid-Umfrage, Focus, 11.8.2018). Die Zahl derjenigen, die eine Sammlungsbewegung ablehnen, ist also verschwindend gering.

Wir sollten die Chance, die in dieser Mobilisierung liegt, erkennen und konstruktiv aufgreifen.

Bewegung entsteht, wenn in der Gesellschaft ein entsprechender Bedarf herangewachsen ist und sich bemerkbar macht, weil Probleme mit den vorhandenen politischen Kräften nicht gelöst werden können. In einer solchen Situation befinden wir uns heute ganz offensichtlich, wenn wir uns die soziale und politische Entwicklung in Deutschland anschauen. Die Geschichte sozialer Bewegungen zeigt zudem, dass an ihren Anfängen immer Initiator*innen standen, die die gesellschaftlichen Probleme und Bedürfnisse der Menschen aufgegriffen und artikuliert haben.

Darum ist es gut und richtig, dass Sahra Wagenknecht und andere in dieser Situation ein Angebot unterbreiten, wie der Wunsch vieler Menschen nach Veränderung in politischen Druck umgewandelt werden kann. Der Erfolg von „Aufstehen“ mit über 100.000 Anmeldungen in vier Wochen zeigt: Die Initiator*innen haben die Zeichen der Zeit richtig gedeutet!

Ob sich aus diesem vielversprechenden Anfang eine machtvolle, aktionsfähige linke Bewegung entwickeln kann, ist noch offen. Doch zeigt diese Dynamik, wie groß das Bedürfnis nach einem politischen Aufbruch für soziale Gerechtigkeit, eine gerechte Wirtschaftsordnung, ein diskriminierungsfreies Zusammenleben aller Menschen und für Frieden ist!

Programm und Agenda der Bewegung haben einen eindeutig linken Rahmen und werden von den Aktiven selbst noch weiter gefüllt werden. Im Internet, in den sozialen Medien werden bereits rege Diskussionen dazu geführt und schon vor dem offiziellen Start haben Menschen begonnen, sich in selbst organisierten lokalen Gruppen zu treffen. 

Wir finden: Mitmachen bei „Aufstehen“ und aktiv sein in der LINKEN ist kein Widerspruch. Im Gegenteil: Das geht Hand in Hand. Anstatt an der Seitenlinie zu stehen, sollten wir mitten im Spielgeschehen sein – lasst uns rausgehen und gemeinsam gewinnen!

 

ERSTUNTERZEICHNENDE:

  • Björn Aust (Mitglied DIE LINKE. Neukölln)
  • Margrit Barth (BO 51, DIE LINKE. Marzahn-Hellersdorf)
  • Detlef Bimboes (Sprecher des Sozialpolitischen AK DIE LINKE. Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf)
  • Fritz R. Gläser (Sprecher der BO 51, DIE LINKE. Marzahn-Hellersdorf, Bundesparteitagsdelegierter Nr. 152)
  • Alexander King (Bezirksvorsitzender DIE LINKE. Tempelhof-Schöneberg)
  • Janneh Magdo (Bezirksverordnete Fraktion DIE LINKE. in der BVV Lichtenberg)
  • Julia Müller (stellv. Bezirksvorsitzende DIE LINKE. Lichtenberg)
  • Michael Niedworok (Bezirksverordneter Fraktion DIE LINKE. in der BVV Lichtenberg)
  • Martin Rutsch (Bezirksverordneter Fraktion DIE LINKE. in der BVV Tempelhof-Schöneberg)
  • Roman Veressov (Bezirksverordneter Fraktion DIE LINKE. in der BVV Lichtenberg)
  • Jochem Visser (Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE. Berlin)
  • Uwe Wollmerstädt (Mitglied des Bezirksvorstands DIE LINKE. Marzahn-Hellersdorf)
  • Kerstin Zimmer (Ko-Vorsitzende Fraktion DIE LINKE. in der BVV Lichtenberg)

 

Video: Babylon-Podiumsdiskussion zu "Aufstehen" - Video folgt später weiter unten

RT hat die Podiumsdiskussion im Kino Babylon mit Sahra Wagenknecht,  Jakob Augstein, Kevion Kühnert und mit Prof. Nolte gefilmt. Auch RBB Inforadio hat die Veranstaltung als Podcast übertragen. Am Sonntag ist es auf RBB zu hören. 

Eine Podiumsdiskussion im Berliner Kino Babylon mit Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende von Die Linke im Bundestag, Jakob Augstein, Herausgeber des Freitag, Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der JuSos und dem Historiker Paul Nolte. 

Am 5. September hatte das Inforadio des rbb zur Podiumsdiskussion zum Thema “Hauptsache links!” eingeladen.

Der Imperativ im Titel wird durch eine fragende Ergänzung relativiert: “Braucht Deutschland eine neue linke Bewegung?” Anlass der Diskussion war der Start der linken Sammlungsbewegung "aufstehen".

Obwohl "aufstehen" aktuell kaum mehr als ein Gründungsaufruf und eine dauerhaft überlastete Webseite ist, schlägt das Projekt hohe Wellen.

Die Medien des Mainstream stehen ihm in ihrer Mehrheit kritisch bis ablehnend gegenüber.

Einer der zentralen und falschen Vorwürfe: Der Mitinitiatorin Sahra Wagenknecht wird immer wieder eine zu große Nähe und Offenheit nach rechts vorgeworfen. Interessant war die Auswahl der Diskutanten, denn mit Augstein und Kühnert kamen Linke zu Wort, die nach eigenen Aussagen im Kern dem Projekt einer linken Sammlungsbewegung wohlwollend gegenüberstehen.

Lediglich der Transatlantiker Nolte bescheinigte der Bewegung gleich zu Beginn des Abends, keine Zukunft zu haben, da er eine politische Vertretung außerhalb von Parteien für nicht denkbar hält. "aufstehen" müsse letztendlich Partei werden, um tatsächlich etwas bewegen zu können, ist seine zentrale These. 

Auf die Frage, was der Anlass für die Gründung einer Sammlungsbewegung war, antwortete Wagenknecht, es sei das Gefühl gewesen, in den eingefahrenen Strukturen der Politik nicht allzu viel erreichen zu können.

Sie will das Hamsterrad der Politik verlassen, wie sie sagte. Im weiteren Verlauf der Diskussion merkte Wagenknecht an, mit der Gründung der Linken, die im Jahr 2007 aus der PDS und der WASG entstanden ist, sei zwar das Ziel verfolgt worden, die SPD wieder dazu zu bewegen, linke Politik zu machen. Doch allerdings sei dies nicht gelungen.

Sie erhofft sich von #aufstehen als außerparlamentarische, parteienübergreifende Bewegung, dass auf Parteien, die sich als links verstehen, insbesondere auf die SPD, Druck aufgebaut wird, den es benötigt, um sie inhaltlich wieder nach links zu bringen. 

Kevin Kühnert machte deutlich, ein Problem bei #aufstehen sei aber gerade, dass die Bewegung ganz zentral mit der Person Sahra Wagenknecht verbunden ist.

Für die SPD seien Wagenknecht und Lafontaine Personalien, gegenüber denen viele SPD-Funktionäre große Vorbehalte hätten. Auf diese Befindlichkeiten müsse man Rücksicht nehmen. Kühnert erntete auch den ersten unfreiwilligen Lacher des Abends, als er meinte, man müsse sich das umgedreht vorstellen. Olaf Scholz würde eine linke Sammlungsbewegung gründen. Damit hätte Die Linke sicherlich auch Schwierigkeiten. Ob Kühnert Scholz tatsächlich für einen Politiker hält, der linke Werte vertritt, wurde leider nicht weiter geklärt.

Jakob Augstein kommentierte die Position Kühnerts.

Dieser sei schon als junger Mensch offenbar in den Funktionärs- und Denkstrukturen der SPD festgefahren. Er würde reden wie ein “alter Parteifunktionär”.

Augstein selbst beschrieb sich als wohlwollender Zuschauer gegenüber der Bewegung. Ihm zufolge liegen die aktuellen Probleme Deutschlands in den Parteien selbst, die zu festgefahren, zu unflexibel seien, die sich abgekoppelt hätten von dem, was die Bürger bewegt.

Kevin Kühnert hob hervor, der Gründungsaufruf der Bewegung sei im Grunde identisch mit den zentralen Forderungen der SPD. Die Bewegung ist tatsächlich inhaltlich aber eher  links von der SPD aufgestellt, die neoliberale Politik mitträgt und mit den CDU/CSU Rechtspopulisten in der Groko kungelt. 

Es ist Augstein, der ihn schlagfertig fragte, warum die SPD dann diese Forderungen seit Jahren nicht umsetzt. Damit verdeutlichte er im Kern die Notwendigkeit einer außerparlamentarischen Bewegung, die den Parteien abverlangt, eigene Inhalte umzusetzen.

Er wiederholt und verlängert damit zentrale Fehler der SPD, die sich inzwischen über zwei Dekaden nicht mehr als Interessenvertretung ihrer klassischen Klientel sieht, sondern als deren Lehr- und Zuchtmeister.

Der Grund für die immer weitergehende Marginalisierung der SPD ist gerade, dass sie ihre gegen die eigene Klientel gerichtete Politik nicht ändert, sondern sich als Antwort auf ihre eigene Krise lediglich überlegt, Politik besser zu erklären.

Wenn Kühnert diesen Weg stützt, wird aus der Erneuerung der SPD nichts werden.

Insgesamt hangelte sich der Abend sehr stark an den Ereignissen in Chemnitz und am Erfolg der AfD entlang. Das ist sicherlich symptomatisch für die Diskussion in der Bundesrepublik.

Die Frage der  notwendigen Abgrenzung nach rechts dominierte lange Zeit die Diskussion. Dabei wurde deutlich, wie wenig sich die aktuelle  etablierte Politik in der Verantwortung für den Rechtsrutsch in der Republik sieht.

Kühnert machte immer wieder klar, dass er für die Sorgen und Ängste der Chemnitzer sowie der Wähler der AfD kein Verständnis hat, forderte unmittelbar Ab- und Ausgrenzung. Dass gerade die SPD mit den Hartz-Gesetzen und dem Schleifen des Sozialstaats massiv zur Entstehung dieser Ängste und Befürchtungen beigetragen hat, darüber wollte Kühnert erst in einem zweiten Schritt sprechen.

Es kann nicht funktionieren. Wenn Vorbedingungen für die Aufnahme von Gesprächen gestellt werden, wird es die Gespräche nicht geben. So wird die Spaltung der Gesellschaft weiter vorangetrieben.

Kühnert agiert hier mit seiner Hintanstellung der Verteilungsfrage in erstaunlicher Weise politisch naiv, sieht in der AfD ein Grundübel und nicht das Symptom einer Gesellschaft, die aus guten Gründen das Vertrauen zu den Parteien, die sie eigentlich repräsentieren sollten, verloren hat.

Naiv blieb auch Nolte, der sich politische Repräsentation nur innerhalb und durch Parteien vorstellen kann.

Offensichtlich hat er die aktuelle Krise der Parteien überhaupt nicht verstanden. Auch für ihn sind die sozialen und die Verteilungsfragen unwichtig.

Die unterschiedliche Haltung in den Fragen, wie stark man sich abzugrenzen habe und welchen Raum man sozialen und Verteilungsfragen geben muss, ist auch im Publikum spürbar.

Die Wiederentdeckung der Bedeutung der Verteilungsfrage durch Linke ist die große Chance von #aufstehen. Dass es nicht um eine Offenheit gegenüber rechts, sondern um die Frage der Offenheit gegenüber Sorgen und Befürchtungen von Menschen geht, die sich gerade in der Verteilungsfrage von Politik im Stich gelassen sehen, machte Sahra Wagenknecht im Laufe des Abends mehrmals deutlich.

Manchen Zuschauern war in der anschliessenden Diskussion die Debatte insgesamt  zu wenig antikapitalistisch und linkssozialistisch. Eine neue Linke müsse sich durch ein Alleinstellungsmerkmal auszeichnen - z. B. die Vergesellschaftung von Konzerneigentum als zentrale Forderung zu erheben. 

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Vier Linke Thüringen-Abgeordnete unterstützen "Aufstehen"  

Die linke Landesvorsitzende ist mehr als skeptisch, der Ministerpräsident ganz dagegen. Doch nun unterstützen mehrere Landtagsabgeordnete der Partei die Sammlungsbewegung von Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht, berichten Lokalmedien in Thüringen.

 

Sahra Wagenknecht, Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke stellt in der Bundespressekonferenz offiziell die Bewegung "Aufstehen" vor. Foto: Kay Nietfeld/dpa

 

 

 

Sahra Wagenknecht, Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke stellt in der Bundespressekonferenz offiziell die Bewegung "Aufstehen" vor.

Einen Tag nach der offiziellen Gründung der linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ haben vier Linke-Landtagsabgeordnete aus Thüringen ihre Unterstützung für das Projekt erklärt.

Es stelle „eine große Chance“ dar, um linke Mehrheiten für einen Politikwechsel in Deutschland zu gewinnen, sagten die Parlamentarier Margit JungIna LeukefeldJörg Kubitzki und Dieter Hausold in einer gemeinsamen Mitteilung.

Margit Jung ist Vizepräsidentin des Thüringer Landtages. Hausold führte von 1998 bis 2006 die Landespartei und von 2005 bis 2009 als Oppositionsführer die Landtagsfraktion. Aus ihrer Sicht könnten insbesondere in Thüringen die Bemühungen der Linke „ durch diese Bewegung enorm gestärkt werden“. Sie biete jetzt die Gelegenheit, gesellschaftliche Kräfte für eine Politik links der Mitte zu sammeln.

Einen klaren Richtungswechsel der Politik gegen den Rechtruck könne die Linke alleine nicht realisieren.

Zuvor hatten führende Thüringer Linke-Politiker ablehnend auf die Bewegung Wagenknechts reagiert. Die Aktion bündele keine Interessen, sondern spalte eher, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow .

Bodo Ramelow möchte seinen Kuschelkurs mit der neoliberal ausgerichteten SPD und Grünen offensichtlich stur fortsetzen - obwohl diese Politik den Linken schadet und Menschen in die Arme der AfD treibt, die sich systemkritisch präsentiert. Den Charakter als Fake-Opposition erkennen leider nicht alle Menschen.  

Mit Online-Aufrufen ändert man nichts an Kinderarmut und sozialer Ungerechtigkeit. Für einen Politikwechsel sei eine klare Mehrheit im Bundestag nötig. Nur setzt der neunmalkluge linke Ministerpräsident Ramelow mit dieser SPD und  den Grünen parlamentarisch und auch als Regierung auch keine linke Politik um, die sich gegen die Konzernherrschaft der Oligarchen richtet. Stattdessen werden auch  in Thüringen Menschen mit Perspektive im Lande und sogar Roma aus Europa abgeschoben.  

Ähnlich äußerte sich die linke Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow. Oberstes Ziel müsse es sein, das Bündnis mit SPD und Grünen in Thüringen fortzusetzen, sagte sie. Gerade in Zeiten des Rechtsrucks sei die Koalition im Land ein wichtiges Signal für den Bund. Aber gerade dieses Bündnis hat diesen Regierungs-Parteien bereits eine Mehrheit bei Umfragen gekostet. Man will aus den Fehlern offensichtlich nichts lernen. Auch deshalb ist die  neue linke Sammlungsbewegung so wichtig.

Bodo Ramelow zweifelt an linker Sammlungsbewegung „Aufstehen“

Inforadio - Kino Babylon: Diskussion mit Sahra Wagenknecht und Jakob Augstein über die Sammelbewegung 

Teilnehmer der Diskussion:  Sahra Wagenknecht, Jacob Augstein, Kevin Kühnert und Prof. Nolte 

Erklärung der Sozialdemokraten -PSP-Flügel- zu  Aufstehen

Neben der NLB Sammlung der Linken ( Neue Linke Bewegung), die das Grundsatzpapier prinzipiell  begrüsst,  positioniert sich auch die Sammlung der Sozialdemokraten der PSP in einer Erklärung zur Gründung des Dachverbandes von Aufstehen 

 

Es ist nicht mehr fünf vor zwölf. Es ist zwölf Uhr. Die Politik des “Weiter so” führt zu einer Spirale aus Ungleichheit, Aufrüstungen, ökologischem Kollaps und dem Aufstieg rechter Kräfte in ganz Europa. Die politische Linke, die all dies hätte verhindern sollen, ist zersplittert und gespalten. Was immer die Unterschiede zwischen uns im linken Spektrum sind, wir müssen uns jetzt darüber hinwegsetzen, um uns für eine gerechtere, nachhaltigere Gesellschaft zu engagieren, bevor es komplett zu spät ist.

Wir müssen unsere Kräfte bündeln, wir müssen auf- und zusammenstehen, uns gemeinsam für eine progressive Politik einsetzen. Daher unterstützen wir die Grundidee der Sammlungsbewegung #aufstehen. Wir sind überzeugt, dass es eine linke Bewegung braucht, die soziale Gerechtigkeit universell und global begründet und endlich wieder die Themen auf die Agenda setzt, die in einem Klima von Hass und Hetze in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurden: Sozialpolitik, Bildung, Pflege, Klimaschutz oder bezahlbares Wohnen. Zu dieser Linken gehört in unseren Augen auch eine Migrationspolitik, bei der Ursachenbekämpfung vor Ort, faire Handelsbeziehungen, sichere Aufnahme und Integration zusammengehören.

Wir wollen eine offene, tolerante Gesellschaft, die sich immer weiter vernetzt und in der die Menschen wieder zusammenfinden, statt sich zunehmend auseinanderzudividieren. Wir sind überzeugte Europäer*innen, die regional und global denken. Wir setzen uns ein und engagieren uns für internationale Solidarität. Solidarität ist für uns unteilbar, sie gilt weltweit, deutschlandweit und regional vor Ort.

Wir sind Sozialdemokrat*innen mit Herz und Seele und der sozialen Idee verpflichtet. Die SPD hat dieses Land geprägt und es immer wieder solidarischer gemacht. Es gab Irrwege, aber sie hat gestritten und sich für Frieden und Freiheit engagiert. Sie hat viele Menschen begeistert und motiviert mitzumachen.

Wir beobachten jedoch schon länger, dass die Entwicklung der SPD in eine falsche Richtung geht. Die Erneuerung der Strukturen, des Personals und der Inhalte unserer Partei droht wieder einmal zu einem leeren Versprechen zu werden. Die Partei hat vor allem ihre Vielfalt an der Spitze verloren, die auch nötig war, um die Menschen in der Breite anzusprechen. Kritische Stimmen werden ausgegrenzt. Es werden immer wieder Koalitionen und Bündnisse mit rechtskonservativen Kräften und Populist*innen eingegangen, aber Gespräche mit linken Kräften gemieden. Rot-Rot-Grün war im Bund mehrfach möglich, wurde jedoch immer wieder ausgeschlossen. Es reicht uns nicht für kleine Reparaturen am Kapitalismus zu stehen, den unsere Partei in den letzten Jahren mit neoliberaler Politik selbst mitgestaltet hat. Es reicht uns nicht nur das kleinere Übel zu sein und zuzuschauen, wie wir bei immer mehr Menschen Vertrauen verlieren.

Wir wollen gerade deshalb Veränderung und glauben, es bedarf des Drucks von innen und außen. Die SPD hat zwischen 1998 und 2017 jeweils mehr als 50% ihrer Wähler*innen und Mitglieder verloren. Ein Umdenken und Kurswechsel ist dennoch ausgeblieben. Es geht gerade um viel mehr, als um einen brüchigen Machterhalt oder den Erfolg bei einer Wahl.

Wir wollen mithelfen den nötigen Druck zu erzeugen, damit sich endlich etwas bewegt. Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, dass wir wieder die Sprachhoheit erlangen. Wir wollen die Themen im öffentlichen Diskurs und in der Politik voranbringen, die wirklich wichtig sind.

Wir müssen gemeinsam stark und eine echte Bewegung werden. Es geht dabei nicht nur darum, sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck entschieden entgegen zu stellen, sondern auch den neoliberalen Kapitalismus, der immer mehr Ungleichheit erzeugen wird und immer weniger Menschen einen Vorteil verschafft, in die Schranken zu weisen. Denn obwohl die Vertreter*innen des Neoliberalismus gegen den Aufstieg der Rechten wettern, übersehen sie zu gerne, dass eben die massive Ungleichheit, die ihre Politik verursacht hat, auch ein Treiber für deren Zulauf ist.

Wir brauchen deswegen die Öffnung der Parteien nach außen. Wir sollten die herkömmlichen Strukturen aufbrechen, kooperieren und gemeinsam neu denken, neue Ideen entwickeln und damit neue Möglichkeiten schaffen.

Wir begrüßen den Vorstoß durch die linke Sammlungsbewegung #aufstehen und plädieren dafür, dass sich ihr so viele Vertreter*innen der politischen Linken wie möglich anschließen. Eine pauschale Ablehnungshaltung gegenüber #aufstehen, ohne Alternativen anzubieten, und ein Festhalten am „Weiter so“ halten wir für ignorant.

Wir engagieren uns und setzen uns ein für…
…transparente Strukturen
…Mitbestimmungsmöglichkeiten
…Akzeptanz von konstruktiver Kritik: An Reibung kann man wachsen, Selbstgefälligkeit bedeutet Stillstand
…Vielfalt: es sollen unterschiedlichen Gruppen und Initiativen die Hände gereicht werden und viele Kooperationen entstehen
…eine Politik, die den Schwächsten und Benachteiligten dient und sie nicht gegeneinander ausspielt
…europäische Lösungsansätze und die Vernetzung mit anderen internationalen Bewegungen

Wir sehen, dass #aufstehen Grundsätze vertritt, die große gesellschaftliche Unterstützung genießen, aber momentan durch Koalitionen im heutigen Parteiengeflecht nicht durchsetzbar sind – allem voran die Abkehr von der Agenda 2010 und von Kriegseinsätzen der Bundeswehr. Was die Entwicklung eines Programms angeht, soll #aufstehen kein Top-Down-Projekt sein. Im Gegenteil, es sollen alle Mitstreiter*innen ihre Positionen in Vor-Ort-Treffen und online einbringen.

Wir sind der Meinung, dass schon viel erreicht ist, wenn die Sammlungsbewegung dazu führt, dass es mehr Bewegung und ein Umdenken in den Parteien gibt und dass außerhalb der Parteien oder der Sammlungsbewegung mehr Menschen aktiv werden anstatt den Status Quo weiterhin so hinzunehmen. Denn es muss mehr Druck aufgebaut werden: gegen rechts, gegen die absolute Alternativlosigkeit der Merkel-Politik, gegen den vorherrschenden Neoliberalismus, der dazu geführt hat, dass wir schon lange nicht mehr von einer sozialen Marktwirtschaft sprechen können.

Deshalb aufstehen! Werdet aktiv, beteiligt euch nicht nur vor Ort in der Hoffnung, die SPD erneuere sich von oben. Schließt euch zusammen, unterstützt Initiativen wie DL21, NoGroKo und die Progressive Soziale Plattform. Macht euch auch in der Sammlungsbewegung stark, prägt sie, damit sie vielfältig wird, damit verschiedene Aspekte dort berücksichtigt werden. Überwindet das Klein-klein und das strukturkonservative Denken. Jetzt gibt es das Momentum. Das Bedürfnis der Menschen nach einer starken vereinten Linken ist groß, das Vertrauen in die etablierten Mitte-links-Parteien schrumpft dagegen immer weiter. Dass sich allein durch die Ankündigung einer neuen Bewegung in nur wenigen Tagen mehr als 50.000 Unterstützer*innen auf der #aufstehen-Website eingetragen haben und bald die 100.000-Grenze geknackt wird, bestätigt, dass die Sehnsucht der Menschen nach Veränderung, nach einer neuen politischen Kraft sehr groß ist. Nur zusammen können wir etwas bewegen. Und nur wer dabei ist, kann eigene Aspekte einbringen und die Sammlungsbewegung mitgestalten.

Erstunterzeichner*innen:
Simone Lange (Progressive Soziale Plattform)
Susi Neumann (Progressive Soziale Plattform)
Sebastian Ackermann (Vorsitzender Jusos Duisburg)
Prof. Dr. Peter Brandt (Historiker, Publizist)
Marco Bülow (MdB, Initiator Progressive Soziale Plattform)
Steve Hudson (Momentum, NoGroKo e.V., Progressive Soziale Plattform)
Lino Leudesdorff (SPD Ortsvereinsvorsitzender und Juso)
Daniel Reitzig (NoGroKo e.V.)